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Review
AlternativePunkrock
Kritik: AFI - "Bodies"
Manchmal ist es so, als ob Künstler*innen in zwei Welten existieren: In der einen wundert man sich, dass diese Band ...
VON
Maik Krause
AM 13/06/2021
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Manchmal ist es so, als ob Künstler*innen in zwei Welten existieren: In der einen wundert man sich, dass diese Band “mit dem einen Hit” überhaupt noch existiert, in der anderen überbieten sich Die-Hard-Fans gegenseitig, um eine der heißbegehrten Vinyl abzugreifen. Dennoch gehören eben solche Bands meist zu denen, auf die sich jeder irgendwie einigen kann – auch, wenn man selten über sie spricht, wenn nicht gerade eine neue Platte ansteht. Placebo gehören dazu. Vielleicht auch Rise Against oder Thrice. Ganz sicher aber AFI.
Letztere bringen mit “Bodies” ihr mittlerweile elftes Album heraus und beweisen, dass sie sich auch im 30. Bandjahr neu erfinden können.
AFI: 15 Jahre nach “Miss Murder”
Es ist 15 Jahre her, dass AFI mit ihrem größten Hit “Miss Murder” Einzug in die MTV- und Viva-Playlisten hielten. Schon mit ihrem Major Label-Debüt “Sing The Sorrow” (2003), aber spätestens mit “Decemberunderground” (2006), das eben Songs wie “Miss Murder” aber auch “Love Like Winter” enthält, wurde die Welt auf AFI, ihren Goth-lastigen Post-Hardcore-Sound und ihre extravagante Inszenierung aufmerksam.
Schon damals entfernte man sich stark von seinen Hardcore Punk-Roots der Anfangstage, womit die Band jedoch ein größeres Publikum erreichen konnte.
2021 sind AFI dem damaligen “Hype” längst entwachsen. Dass die Kalifornier mit ihrem neuesten Werk “Bodies” wieder in aller Munde sein werden, bleibt abzuwarten. Verdient hätten sie es sich allemal: “Twisted Tongues”, zugleich die erste Single-Auskopplung der Platte, ist ein bockstarker Opener, der durch die brillanten Drums von Adam Carson herrlich nervös daherkommt, aber zugleich sehr tanzbar ist.
Davey Havok glänzt gewohnt durch seine unvergleichlichen Vocals, doch gerade die Instrumentalfraktion gilt es auf “Bodies” besonders herauszuheben. “Dulcería” hat etwas unangenehm Mystisches an sich und fühlt sich leicht wie eine wavige Version von “Wicked Game” von Chris Isaak an, während vor allem Bassist Hunter Burgan einen großartigen Job macht.
Gerade die Basslines profitieren von der sauberen Produktion für die Gitarrist Jade Puget in Kooperation mit Tony Hoffer (Depeche Mode, Belle & Sebastian) und Vlado Meller (Oasis, Pink Floyd) verantwortlich waren.
Post-Punk und 80s New Wave gehen Hand in Hand
AFI begehen auf “Bodies” keinen radikalen Bruch mit ihrer bisherigen Diskografie. Ohnehin bittet die Band stets, ihr Schaffen immer für sich und weniger im Vergleich zu anderen Platten aus dem Katalog zu betrachten.
Mit dem Post Punk-Sound und dem ordentlichen Hang zum 80s New Wave stehen die Kalifornier ohnehin nicht alleine da, sondern fügen sich wunderbar in die aktuelle Retrowelle ein, wenn man an die letzten Releases von Citizen oder auch Twenty One Pilots denkt. Dennoch klingen Songs wie “Escape From Las Vegas” oder “Begging For Trouble” absolut authentisch und versprühen starke Hüsker Dü- oder The Cure-Vibes.
Zudem klingt “Bodies” durchaus leichtfüßig und positiv, auch wenn Songs wie “Back From The Flesh”, aber vor allem “Tied To A Tree” auf die Bremse treten. Gerade “Tied To A Tree” als letzter Song kommt überaus epochal daher und bewirbt sich durchaus als Filmsoundtrack.
Fans der “Sing The Sorrow”-Platte dürfen sich auf “No Eyes” freuen, der im Chorus überraschend viel Ähnlichkeit mit “This Time Imperfect” besitzt.
Alles in allem ist “Bodies” ein Album, das man Getrost auf Dauerschleife hören kann. Mit “Twisted Tongues”, “Escape From Las Vegas” und “Begging For Trouble” haben AFI auch einige Hits parat, die sich sicherlich auch dauerhaft bei den Fans durchsetzen werden.
Foto: Jacob Boll / Offizielles Pressebild
Bodies
Künstler: AFI
Erscheinungsdatum: 11.06.2021
Genre: Alternative, Rock
Label: Rise Records
Medium: CD, Vinyl, etc
- Twisted Tongues
- Far Too Near
- Dulceria
- On Your Back
- Escape From Los Angeles
- Begging For Trouble
- Back From The Flesh
- Looking Tragic
- Death Of The Party
- No Eyes
- Tied To A Tree
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