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Interview
Kataklysm: „Wir wollen mit unserer Musik die Menschen wieder vereinigen“
Goliath statt David.
VON
Tamara Jungmann
AM 25/08/2023
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Das franko-kanadische Death Metal-Urgestein Kataklysm liefert auch im Jahr 2023 nach über 30 Jahren Bandbestehen noch fleißig ab, ohne nach in die Jahre gekommenen Floskeln zu klingen. Auf ihrem neuen Longplayer „Goliath“ gibt sich die Kombo herausfordernd und widmet zwölf Tracks dem Kampf „des kleinen Mannes“ gegen das Regime.
Doch warum dann „Goliath“ und nicht David? Diese und mehr Fragen hat uns Frontmann und Wahl-Florida-Bewohner Maurizio Iacono im Face to Face-Interview auf dem diesjährigen Summer Breeze Festival beantwortet.
Foto im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer (lisa_brss)
Kataklysm im Interview auf dem Summer Breeze Open Air
Wenn wir Maurizio Iacono, Sänger und Frontmann von Kataklysm, treffen herrschen nicht gerade die optimalen Umweltbedingungen: etwas unter Zeitdruck, bei gefühlten tausend Grad Außentemperatur verziehen wir uns nach einem kurzen Händeschütteln in den dafür vorgesehen abgedunkelten Interview-Container, in welchem es immerhin etwas ruhiger ist und ein klappriger, alter Ventilator auf höchster Stufe sein Bestes versucht, uns vor dem drohenden Hitzekollaps zu bewahren.
Während wir also kurz vor’m Eingehen sind und das Gespräch mit einem Fluch auf das Wetter eröffnen, wirft sich Iacono locker die dunkle Haarpracht in den Nacken und erwidert cool wie eh und je: „Ich wohne in Florida, bin nichts anderes gewohnt!“ Einen kühlen Kopf bewahrt der Death Metal-Schreihals auch, als wir ihn als nächstes auf die Strapazen des Tourlebens ansprechen. Das Summer Breeze markiert nämlich (bis auf einige Konzertdaten in Deutschland) vorerst das Ende eines äußerst auftrittereichen Jahres für die Mannen:
„Es ist ja immer dasselbe. Wir holen uns die Energie aus unserer Begeisterung für das was ansteht. Wir haben eine echt lange Tour von 55 Konzerten mit Freunden von uns gespielt. Das war für uns ein guter Weg den Menschen zu zeigen, dass wir wieder da sind. Ich weiß nicht wie viele Länder, aber wir haben annähernd den ganzen europäischen Kontinent bespielt außer Griechenland. Dann ging es auf Südamerika Tour und als wir das abgeschlossen hatten, kamen die Festivals“, führt der Rocker aus.
„Also ja, manchmal ist es etwas ermüdend. Aber das ist was wir tun und wir stehen jetzt da wo wir sind: Wir haben eine mega starke Platte im Gepäck, die wir so gut es pushen.“
David und Goliath – Kataklysm gegen das System
Besagte Platte, die das 15. Studioalbum der Band darstellt, trägt den Titel „Goliath“, also den Antagonisten der Bibelfigur David, die den mächtigen Koloss im Kampf besiegt. Dieses Schauspiel ziert auch das Artwork der Platte. Warum sich die sozialkritischen Kataklysm dennoch für diesen Namen entschieden haben, hat einen ganz einfachen Grund: „Ursprünglich wollten wir es ‚David und Goliath‘ nennen, aber wir dachten, es wäre so mehr Metal. Wir betonen Goliath, das ist der Punkt. Viele Leute missverstehen dies, denken wir bekennen uns dadurch zu Goliath aber das stimmt nicht. Wir sind mit den Menschen, das war die Band schon immer. Wir sind David und es geht um den Kampf gegen die Maschinerie.“
Foto im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer (lisa_brss)
Foto im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer (lisa_brss)
Recht & Freiheit
So hat das Album einen engen Bezug zur aktuellen sozialen und politischen Lage. Iacono, der nicht nur als kreativer Kopf der Band fungiert, sondern selbst auch in der Industrie tätig ist und, so wie er es beschreibt, „auch die andere Seite kennt“ sieht sich selbst und Kataklysm als Freiheitskämpfer: „Für mich sind zwei Dinge wichtig an denen wir fundamentale Rechte haben: Die Meinungsfreiheit und die Freie Wahl. Ich denke jeder kämpft aktuell dafür entscheiden zu dürfen, was um uns herum und was mit einem selbst passiert. Es ist mir wichtig dafür einzustehen, dass jeder die eigne Meinung äußern darf. Wenn wir aufhören zu diskutieren und eine Debatte zu führen, ist es das Ende.“
Auf Nachfrage auf wen sich der gut gelaunte aber dennoch ernste Iacono bezieht, wenn er von „der Maschinerie“ spricht, beschreibt er ein „System, das alles so beibehalten möchte wie es ist.“ „Was die Welt schön macht, sind Unterschiede. Wenn jeder gleich ist, wäre die Welt ein langweiliger Ort. Dafür möchten wir die Augen öffnen.“ Mit dieser idealistischen Beschreibung kritisiert der Frontmann auch die Regierung(en), die versuchen, eine gewisse Konformität zu erwirken und Probleme statt Lösungen zu kreieren.
Als Band wollen sie sich davon nicht ändern lassen, ebenso wenig von einer ständig rotierenden Umgebung: „Ich sehe die Welt mit ihrer Schönheit, nicht ihren Effekten. Jeder spricht von der ‚Verrücktheit‘ die aktuell tobt. Aber was ist, wenn wir das Gegenteil betrachten? Wenn wir uns wieder mehr auf die positiven Seiten konzentrieren, wären wir eine sehr viel glücklichere Gesellschaft. Mit unserer Band will ich die Menschen wieder vereinigen, wie zuvor. Wir produzieren viel zu viel Negativität! Klingt komisch für eine Metalband.“
Foto im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer (lisa_brss)
Kataklysm – wann kommt die Goliath Tour?
Und auch wenn Kataklysm mit ihrem Auftritt auf dem Summer Breeze Festival (und einigen wenigen weiteren Live-Terminen in diesem Monat) nun für’s erste den Touralltag gegen eine wohlverdiente Ruhepause eintauschen wollen, verspricht Maurizio Iacono seinem deutschen Publikum schnell wiederzukommen: „Ich liebe dieses Land, es war immer sehr gut zu mir.“ Eine Tour, um das aktuelle Album zu supporten, ist bereits in Planung.
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer (lisa_brss)
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